Grußwort des Botschafters des Staates Israel S. E. Ron Prosor
Die deutsch-israelischen Beziehungen sind mehr als diplomatische Formalität. Sie sind ein historisches Versprechen – geboren aus der Finsternis des 20. Jahrhunderts, getragen von der Hoffnung auf Verständigung und Vertrauen.
Unsere Beziehungen entstehen nicht in Amtsstuben – sie leben vom direkten Miteinander. Dank Ihres Engagements und des großartigen Teams machen die 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen die Vielfalt jüdischer Kultur in Deutschland unmittelbar erfahrbar und eröffnen Begegnungen mit jüdischen Perspektiven. Als ältestes Festival dieser Art in Thüringen leisten sie damit einen wichtigen Beitrag zur lebendigen jüdischen Landesgeschichte.
Denn, und das sei in aller Deutlichkeit gesagt: Wir stehen an einem Wendepunkt. Kultur, einst ein Ort der Offenheit, der Begegnung, der Neugier, wird zum Prüfstein. Wer heute noch eine Bühne bekommt, muss sich allzu oft von Israel distanzieren, sich seiner jüdischen Identität verdrängen – am besten gleich im Eingangsbereich, direkt neben der Garderobe. Unter dem Deckmantel der Israel-Kritik erstrecken sich Diskriminierung und Ausgrenzung in Form von Kampagnen gegen Juden und israelische Künstler. Menschen, die früher ein Band der Verständigung waren, werden von Bühnen verbannt.
Früher war Kultur ein Kompass, der Orientierung gab, ein Brückenschlag, der verbindet. Heute aber scheint seine Nadel gefährlich zu zittern. Sie zeigt, wie schnell Ausgrenzung in der Mitte unserer Gesellschaft Fuß fassen kann.
Umso wichtiger ist es, dass wir zurückfinden – zu einer Kultur, die nicht spaltet, sondern einlädt. Eine Kultur, die Fragen stellt, statt Antworten zu diktieren; Brücken baut, statt Gräben zu ziehen; Räume öffnet, statt Türen zu schließen.
Die Kulturtage schaffen einen offenen Raum für jüdisch-israelische Kultur. Über 80 Veranstaltungen und 15 Künstler:innen und Musiker:innen aus Israel machen Vielfalt sichtbar. Das ist mehr als Programm – es ist ein Zeichen dafür, dass Kultur dort stark ist, wo sie Begegnung ermöglicht und Haltung zeigt.
Im Hebräischen sagt man: „את המנגינה הזאת אי אפשר להפסיק“ – auf Deutsch: „Diese Melodie kann man nicht stoppen.“ Sie steht dafür, dass die Kräfte, die uns verbinden, uns gemeinsam stärker machen, und dass unser Lebensgeist, unsere Freude und unsere Hoffnung sich nicht zum Schweigen bringen lassen.