Donnerstag, 19. Oktober 2017
19.30 Uhr Theater Erfurt
Theaterplatz 1
99084 Erfurt
Eintritt frei, um Spenden zur Kostendeckung wird gebeten.
anschließend Empfang
Teilnahme bitte voranmelden unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder 0361/ 76 48 590

Eröffnungsveranstaltung:
DER GOLEM – Wie er in die Welt kam

Stummfilm von Paul Wegener und Carl Boese (1920), restaurierte und ergänzte Fassung mit der Original-Filmmusik von Betty Olivero (1997)
Mit Helmut Eisel (Klarinetten)
und dem Ensemble MAJORE
(Anna Stümke und Nicola Hatfield – Violinen, Thomas Frischko – Viola, Eugen Mantu – Violoncello)
Dirigent: Günter A. Buchwald

 

 „DER GOLEM – Wie er in die Welt kam“ ist der letzte von drei Stummfilmen Paul Wegeners über die jüdische Legende vom Golem: Das Prager Ghetto im 16. Jahrhundert. Als Rabbi Löw in den Sternen liest, dass der jüdischen Gemeinschaft Unheil droht, schafft er nach einer alten Legende eine mächtige Lehmfigur, den Golem, und haucht ihr mit magischen Kräften Leben ein. Der Golem rettet das Leben des Kaisers, und dieser widerruft seinen Befehl, die Juden aus der Stadt zu vertreiben. Damit hat der Golem eigentlich seinen Zweck erfüllt, aber als Löws Assistent ihn benutzt, um einen Rivalen zu bekämpfen, läuft der Golem Amok und setzt die Stadt in Flammen. Besiegt wird er erst durch ein kleines Mädchen, das ihm den Stern von der Brust löst, mit dem Löw ihm das Leben gab.

Der GOLEM gilt als der expressionistische Film schlechthin. Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Moderne mit ihren technischen Errungenschaften explodierte, reagierten die Künstler darauf mit dem Expressionismus: panisch, verzückt, verwirrt. Verfremdung und Verzerrung der Perspektiven: Das krumme, düstere, schwindelerregende Kulissenghetto im GOLEM steht für eine emotionale Entladung zwischen Angst und Aggression.
Es entstehen bedrängende Albträume von einer Welt, deren menschliche Gesichter Fratzen, deren Straßen steile Gebirgspfade, deren Behausungen windschief und einsturzgefährdet sind. Im GOLEM bröckeln Paläste, brennen Häuser ab. Der Mensch hat seine Welt – und sich selbst – neu geschaffen.

Gewiss handelt der Film von einer weit zurückliegenden Vergangenheit, eher noch von jüdischen – und deutschen – Legenden. Aber Paul Wegener, der auch die Titelrolle spielt, interessieren weniger die Quellen als deren künstlerische Verwertbarkeit in einer Zeit des fremdartigen Aufbruchs, ihrer Wunder und ihrer Schrecknisse. Der Golem ist ein Prototyp. Ein Wesen ohne Werte, Religion oder Normen, ein moderner Mensch. Ein „Mann ohne Eigenschaften“, ohne Sozialisation und daher frei, aber auch unheimlich und einsam. Parallelen, Vorbilder und Nachfolger des Golem und seiner Geschichte finden sich überall bis hin in unsere Zeit, wo menschenähnliche Wesen, seien es Roboter, Computer oder schließlich Klone, Cyborgs, Androiden und was die Zukunft noch so alles für uns bereit hält... greifbare Realität geworden sind.

Im Rahmen der 25. Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur wird das Projekt zum ersten Mal in Thüringen aufgeführt.

(Veranstalter: Förderverein für jüdisch-israelische Kultur in Thüringen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Theater Erfurt und ART WORKs Berlin Agentur Vera Giese)